Was ist hip an XML?

Was ist neu an XML? Fast alle Konzepte, die in XML verwendet werden sind nicht neu. Wirklich neu und bahnbrechend ist lediglich die breite Unterstützung durch die Softwareindustrie. Woher aber kommt diese Akzeptanz?

XML bietet die Möglichkeit, Daten so zu strukturieren, daß sie Regeln entsprechen, die man selbst festlegen darf. Auf diese Weise strukturierte Daten bezeichnen wir als Dokumente. Diese Regelhaftigkeit führt bei XML jedoch nicht zwangsweise zu starren immer gleich aufgebauten Dokumenten. Ein Dokumenttyp kann mit Varianzen definiert werden.

Ein XML-Dokument baut sich aus sogenannten Elementen auf. Diese Elemente tragen Namen, die bei der Dokumententwicklung vergeben werden können. Ein Beispiel ist das Element <beruf>SchreinerIn</beruf>. Wird bei der Vergabe der Namen darauf geachtet, daß diese aussagekräftig sind, kann man sagen, daß ein solches Dokument selbstbeschreibend ist. Diese Elementnamen können als Beschreibungsdaten sowohl direkt von Menschen gelesen und verstanden werden, als auch von Suchmaschinen indiziert werden. Damit ist potentiell eine bessere Qualität bei der Suche nach Inhalten im Internet möglich. Man sucht nicht mehr nach Zeichenketten, die sich irgendwo in irgendeinem Dokument befinden, sondern beispielsweise nach einer Zeichenfolge, die in einem Element mit dem Namen "beruf" vorkommt.

Dennoch bewirkt das XML-Format von Dokumenten alleine noch nicht viel. Es sind eher die anwendungsorienterten Formate, die in XML notiert sind, die wirklichen Gewinn aus diesem Format ziehen können. Ein anschauliches Beispiel hierfür ist das Grafikformat Scalable Vector Graphics (SVG). Ein Textelement, das als grafisch anspruchsvolles Objekt als Banner einer Web-Seite dienen soll bietet die Vorteile beider Welten. Es ist gleichzeitig Grafik und Text. Der Textteil ist nicht binär abgelegt, sondern bleibt als Text inhaltlich recherchierbar.

Der grundlegende Mechanismus bei allen XML-basierten Formaten ist der, daß eine Quellinformation umgewandelt wird in eine anwendungsorientierte Form wie beispielsweise Grafik, HTML, PDF oder was die Zukunft noch bescheren mag.

Ein möglicher Produktivitätsgewinn durch Nutzung von XML-Formaten liegt nun in der oben beschriebenen Regelhaftigkeit von XML-Dokumenten. Dient ein Regelwerk, eine Dokument Typ Definition als Schablone für irgendwann eintreffende Inhalte, können bereits vor der wirklichen Verfügbarkeit dieser Inhalte alle weiteren Verarbeitungsschritte realisiert werden. Beispielsweise eben die Umwandlung in Grafik oder HTML oder eine Kombination von HTML mit eingebetteter Grafik. Wichtig ist dabei, daß bei der Realisierung der weiteren Verarbeitungsschritte Standardwerkzeuge verwendet werden können, die das Auslesen, Durchsuchen und Sortieren von XML-Dokumenten übernehmen. Es ist für Anwendungsprogrammierer nicht mehr nötig die Position von Elementen in der Datenquelle exakt zu kennen. Es genügt in vielen Fällen, zu wissen welche Elemente namentlich angefordert werden sollen und dies den Standardwerkzeugen aufzutragen.

Kann man also sagen, der Effekt von XML beruht eigentlich auf einer generellen Übereinkunft über den Aufbau und die Benutzung von Schnittstellen? Die Antwort ist ja. In diesem Sinn ist XML lediglich eine Basistechnologie.

© M. Knobloch 2003-06-22 created with SAXON 7.5.1 from Michael Kay XSL Version 1.8